WAS-B Friedrichshain-Kreuzberg

Kinderschutzauftrag der Jugendhilfe gefährdet

Die zwölf Berliner Bezirksstadträte für Jugend erklären:

Wir sehen mit großer Sorge die Personalentwicklung in den Berliner Jugendämtern. Die zusätzlichen 24 Stellen für das Netzwerk Kinderschutz konnten bisher noch immer nicht mit geeignetem Fachpersonal besetzt werden.

Nach wie vor wird den Berliner Jugendämtern eine generelle Möglichkeit für Außeneinstellungen verwehrt. Die Regionalen Sozialpädagogischen Dienste haben den Auftrag, Familien zu beraten und zu unterstützen und die Aufgaben des Kinderschutzes wahrzunehmen. Allein hier sind derzeit über 40 Stellen für Sozialarbeiter/innen nicht besetzt. Bis Ende 2009 werden weitere 72 Stellen durch altersbedingtes Ausscheiden unbesetzt sein.

Damit haben die Berliner Jugendämter einen Personalbedarf von rd. 140 Stellen in den nächsten 18 Monaten. Der zentrale Stellenpool ist nicht in der Lage und wird auch weiterhin nicht in der Lage sein, geeignetes Personal zu rekrutieren. Wo kein Fachpersonal vorhanden ist, kann auch kein geeignetes Fachpersonal in die Berliner Jugendämter vermittelt werden. Dieser dringende und wichtige Personalbedarf für den Kinderschutz ist nur durch Außeneinstellungen zu sichern.

Die gesetzliche Verpflichtung der Berliner Jugendämter, Kinder, Jugendliche und Familien in Notsituationen zu beraten und in Kinderschutzfällen einzugreifen, wird durch die personalpolitischen Entscheidungen des Landes gefährdet. Bis Ende 2009 müssen diese 140 freien Stellen sofort besetzt werden können. Die Berliner Jugendämter brauchen sofort einen Einstellungskorridor von mindestens 50 Stellen pro Jahr. Dabei müssen endlich auch Sozialarbeiter/innen vorrangig eingestellt werden können, die neben der deutschen noch eine weitere Sprache der in Berlin lebenden Bevölkerung fließend beherrschen.

Die Berliner Jugendhilfe ist überaltert. 547 Mitarbeiter/innen sind über 55 Jahre, davon allein 300 Sozialarbeiter/innen, die für den Kinderschutz- und Hilfeauftrag der Jugendhilfe eingesetzt sind.

Kinderschutzarbeit setzt viel Können, Wissen und Erfahrung voraus. Diese Kompetenzen für einen wirksamen Kinderschutz müssen in der praktischen Arbeit mit Familien auf der Basis einer guten Hochschulausbildung erworben werden. Ältere Kolleginnen und Kollegen müssen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen an jüngere Kolleg/innen weitergeben können. Ohne einen vernünftigen Altersaufbau in der Berliner Jugendhilfe gehen diese Kompetenzen und Erfahrungen verloren. Damit entseht nicht nur eine Gefährdungslage für den Kinderschutzauftrag durch nicht besetzte Stellen, sondern auch durch den drohenden Verlust von Kompetenzen und Erfahrungen für die vielen schwierigen Kinderschutzfälle. Nur durch einen vernünftig dimensionierten Einstellungskorridor ist der Wissens- und Erfahrungstransfer im Kinderschutz zu sichern.

Das Netzwerk Kinderschutz lebt vom gemeinsamen Werk von Jugendhilfe, Gesundheitsdiensten und Polizei. Ohne ausreichendes Personal ist der Kinderschutzauftrag der Jugendhilfe erheblich gefährdet.

Seit mehreren Jahren wird der Personalbestand in den Berliner Jugendämtern vollständig für alle Bezirke erhoben. Diese Daten weisen auf die immer dramatischer werdende Personalsituation der Berliner Jugendämter hin. In Kenntnis dieser Daten, die Berliner Jugendämter auf den Zentralen Stellenpool zu verweisen, ist schlicht absurd und gefährdet den Schutz und die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen in dieser Stadt.

Die Berliner Bezirksstadträt/innen für Jugend fordern daher sofortige Außeneinstellungen für die Regionalen Sozialpädagogischen Dienste der Berliner Jugendämter und einen Einstellungskorridor zur Besetzung von jährlich 50 freien Stellen für die Kinderschutz- und Beratungsaufgaben der Berliner Jugendämter.

Öffentliche Antwort des Senats: Berlins Jugendstadträte sind arrogante und faule Verschwender öffentlicher Mittel.