WAS-B Friedrichshain-Kreuzberg

Marheineke–Markthalle soll vollständig umgestaltet werden


Im zweiten Weltkrieg nahm die Marheineke–Markthalle durch Luftangriffe der Alliierten starken Schaden. Kurz vor Kriegsende brannte sie völlig aus. Eine 1948 gegründete Interessensgemeinschaft setzte sich für den Wiederaufbau der zerstört Markthalle ein. 1953 begann man mit dem Neubau. Vom ehemaligen Gebäude blieb dabei nur der westliche Kopfbau erhalten, die übrigen Fassaden wurden, wenn sie überhaupt noch standen, abgerissen. Das äußere des Baus mit großflächig verputzten Fassaden hatte nichts mehr mit dem alten Backsteinbau zu tun. In den 1990er Jahren wurden aber die Fassaden wie beim Vorgängerbau rot verklinkert und auch ein östlicher Kopfbau wieder errichtet.

Aufgrund der Sozialgesetzgebung, Reformen genannt, setzte ab Mitte 2004 ziemlich plötzlich das große Marktsterben ein. Ein Stand nach dem anderen machte dicht. Den Leuten im Kiez fehlt das einfach das Geld und müssen zum Aldi gehen. Aber auch die steuerlich begünstigten Besserbetuchten haben keinen Grund mehr zu kommen, stiegen doch mit ihren Mitteln auch ihre Erwartungen. Alles, was die Bio-Company am Heinrich-Platz bietet, soll nun auch hier vorhanden sein. Das aber kann ein kleinerer Bio-Stand nicht leisten. Zudem wird den Kunden in der inzwischen weitgehend leer stehenden Halle immer weniger geboten. über 20% der Verkaufsflächen sind derzeit verwaist.

Die Konkurrenz wird die Markthalle weiter leeren: Der Kaisers–Supermarkt will in einen Neubau direkt vor den Toren der Halle einziehen und dabei seine Verkaufsfläche vervierfachen. Und auch der benachbarte Discounter Plus vergrößert seine bisherige Verkaufsfläche auf das Zweieinhalbfache. Zudem werden durch den in der Bergmannstraße entstehenden Neubau eines ärzte- und Einzelhandelszentrums mit 15.700 qm Nutzfläche der Markthalle Kaufkraft von 8,9 % entzogen.

Die BMG, zu 100% im Eigentum der Stadt, will daher eine umfassende Sanierung und Modernisierung der Marheineke- Markthalle etwa ab 2007 durchführen, damit die Halle für Kunden und auch Händler attraktiver wird. Auch zahlreiche Händler sehen Handlungsbedarf hinsichtlich des baulichen Zustandes der Halle, müssen aber um ihre Existenz fürchten, wenn eine vorübergehende gänzliche Schließung der Halle erfolgen sollte. Eine schrittweise Sanierung, wie sie eine Alternativplanung vorsieht, würde aber wesentlich höhere Kosten verursachen und die Bauarbeiten in die Länge ziehen.

Für das Bezirksamt versicherte der damalige Wirtschaftsstadtrat Lorenz Postler, er werde sich darum bemühen, dass die Händler aus den entsprechenden Senatsmitteln Ausgleichszahlungen für entstehende Sanierungslasten erhalten. Die ehemalige Bürgermeisterin Cornelia Reinauer vereinbarte mit der Geschäftsleitung, dass auch das Bezirksamt die weiteren Planungen und ihre Umsetzung im Rahmen einer Bürgerbeteiligung aktiv begleiten werde.